Behandlungsfehler was kann man tun?

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Buch Sina Ärztepfusch

ISBN: 3800070146 Ueberreuter Verlag

Das Buch beinhaltet u.a.Sina Mareens Schicksaal

Memoriam
Katze
AKMG Medizingeschädigte

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www.kindesmisshandlung-brauch.de

Bild Zeitung vom 14.08.06

 

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Link zur  Serie

Sina (3) ging nur zum Zahnarzt –
12 Stunden später war sie tot!

Von Hans-Heinrich Reichelt

Sina – sie träumte immer davon, eine Prinzessin zu werden

Nachts, wenn er nicht schlafen kann, setzt er sich an seinen Computer. Dann klickt er ein Foto an. Das Bild zeigt ein kleines Mädchen. Es trägt ein blaues Kleid und hat eine Krone im Haar. In den gefalteten Händen hält das Mädchen einen Rosenkranz. Das Kind liegt im Sarg. Der Mann, der dieses Bild in schlaflosen Nächten anstarrt, ist ihr Vater. Das Foto hat er selbst gemacht – in der Leichenhalle. Einen Tag vor der Beerdigung.

Sina-Mareen Höfner ist drei Jahre alt geworden. Geboren am 8. Januar 1999 – gestorben am 24. Oktober 2002, nachts um 3.25 Uhr.„Du warst unser Sonnenschein in unserem Leben. Wir werden dich in unserem Herzen immer bewahren.“ Abschiedsworte der Eltern und Geschwister in der Todesanzeige.

Ich bin zu Hause bei Sinas Eltern, bei Alexander (39) und seiner Frau Claudia (33) Höfner. Wütende, verzweifelte, ohnmächtige, leer geweinte Eltern. Ihr Kind ist tot – ihr Kind, das noch hätte leben können. „Wäre bei dem Kind mit der gebotenen Sorgfalt vorgegangen worden“, schreibt der Gutachter, „so wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Sepsis (Blutvergiftung) und damit auch der tödliche Verlauf vermieden worden.“

Ein Narkosearzt hat Sina-Mareen offenbar ein bakteriell verunreinigtes Narkosemittel gespritzt. „Nur zur einmaligen Injektion oder Infusion bei einem Patienten bestimmt – Angebrochene Flasche ist nach dem Ende der Verabreichung zu vernichten.“ So steht es auf dem Etikett des Narkosemittels „Propofol“.

Doch der Doktor kümmerte sich nicht darum ... er zog vor dem Eingriff Sina-Mareen auch für andere Patienten aus der 100-ml-Flasche die Spritze auf! Dadurch kam es zur tödlichen Verunreinigung.

Das Drama beginnt in einer Zahnarztpraxis

Sinas vordere Milch-Schneidezähne sind kariös. Sie sollen gezogen werden, und die Zahnärztin empfiehlt Sinas Mutter, die Zähne durch eine Brücke zu ersetzen. Ein Eingriff in Vollnarkose! Für die Anästhesie lässt die Zahnärztin den Narkosearzt in ihre Praxis kommen. Nachmittags um Viertel nach zwei ist Claudia Höfner mit Sina in der Praxis. Keine zwölf Stunden später ist die Kleine tot. Ein gesundes Kind!

Sina im Sarg. Ihre Eltern setzten ihr ein Krönchen auf. Sie ging als Prinzessin auf ihre letzte Reise

Mutter Claudia (33): „Sina, du warst unser Sonnenschein“

 

Der Todestag

Sina freut sich – zur Belohnung soll sie ein blaues Kleidchen bekommen, ein Prinzessinnen-Kleid. Nach der Behandlung fährt Claudia Höfner mit ihrer Tochter nach Hause. Sina ist noch gar nicht ganz bei sich, sie ist kaum ansprechbar.

„Das wird schon“, sagt der Narkosearzt, „in einer Stunde ist sie wieder fit.“

Nein.Zu Hause bekommt sie hohes Fieber. Der Notarzt kommt. Fieberzäpfchen, das Fieber sinkt. „Nachts“, so Claudia Höfner, „ist die Sina plötzlich eiskalt. Ihr Gesicht ist grau ... wir fahren in die Klinik.“ Sina kommt auf die Intensivstation. Herzstillstand.

Als der Doktor rauskommt und den Kopf schüttelt, wissen die Eltern Bescheid. Sie haben Sina verloren. Sie fahren nach Hause, wecken ihre anderen Kinder, sagen: „Die Sina ist tot. Sie kommt nicht mehr zurück.“ Claudia Höfner wird die Schreie ihrer Kinder nie vergessen.

Sina wird obduziert – Blutgerinnung in den Organen, ausgelöst von Bakterien. Sina kommt in die Leichenhalle.

Alexander Höfner lässt den Sarg bunt lackieren – Sonne, Mond und Sterne. Eine Nachbarin näht für Sina in einer einzigen Nacht das blaue Kleid, das Prinzessinnen-Kleid. Die Frau des Beerdigungsunternehmers, selbst im neunten Monat, zieht es Sina an. Zur Mutter sagt sie danach unter Tränen:Ich habe sie auch gewaschen und ihr die Haare gekämmt.“

Die Eltern bekommen einen Schlüssel für die Leichenhalle – sie können kommen, wann sie wollen. Abends lassen sie das Licht an in der kleinen Halle. „Die Sina hat doch immer so Angst im Dunkeln ...“

Einen Tag vor der Beerdigung zieht Alexander Höfner seiner Tochter Lackschuhe an.„Die hat sie so geliebt.“

Die Beerdigung

Brüder, Schwager und Schwestern tragen den kleinen Sarg durchs Tränenmeer. 1385 Rosen haben die Höfners für ihre Tochter rund ums Grab verteilt – für jeden Tag, den sie lebte, eine.

Als der Sarg sich senkt, lässt Claudia Höfner 200 bunte Luftballons steigen. Sie guckt nach oben. Sie sagt mir: „Ich konnte nicht nach unten gucken, als der Sarg in die Erde gelassen wurde ... da wäre ich gleich hinterhergefallen.“

Drei Wochen nach Sinas Tod inspizieren Sachverständige im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Praxis des Narkosearztes, stellen gröbste Verstöße fest, u. a. gegen das Medizinproduktegesetz (MPG) und die Hygienerichtlinien des Robert-Koch-Instituts.

Das Gutachten

Sinas Familie. Bei der Beerdigung legten sie 1385 Rosen nieder. Für jeden Tag, den Sina lebte, eine.

Was sie finden, liest sich wie ein Horrorszenarium:

  • abgelaufene Medikamente, insbesondere auch Notfallmedikamente
  • offene Ampullen, angestochene, offene Infusionslösungen
  • Sterilgüter nicht sachgemäß verpackt, Sterildatum überschritten
  • Verwendung von Einmalartikeln als Dauerprodukte
  • rostige Werkzeuge unter Notfallinstrumentarium
  • Beatmungsmaske verdreckt
  • OP-Schrank dient als Lager für abgelaufene Medizinprodukte
  • Narkosegerät ohne aktuelle Zulassung und Prüfung
  • keine Beatmungsschläuche am Narkosegerät
  • Blutdruckmessgerät ohne gültige Eichung

·        Notfallausrüstung unzureichend, insbesondere für Kinder

Eine Hauptverhandlung hat bis heute, vier Jahre nach Sinas Tod, nicht stattgefunden.

Die Versicherung hat Sinas Eltern 25 000 Euro überwiesen. Der Narkosearzt praktiziert weiterhin.

Nach Sinas Tod sind Alexander und Claudia Höfner noch zweimal Eltern geworden – Lea Mareen ist fast drei, Adrian 1 Jahr alt. Sind die Kinder so etwas wie ein Trost für Sinas Tod ...? „Ja, sicher.“ Dann Schweigen.

„Hass auf den Doktor?“„Wenn ich täte, was ich möchte, würd alles ja noch viel schlimmer werden ...“
Einmal hat Alexander Höfner den Narkosearzt auf dem Parkplatz bei Lidl gesehen. „Da hat er mir gesagt, dass er die Flaschen nicht mehr mehrfach benutzt. Gut für die anderen Patienten. Aber unsere Sina hat er damit umgebracht.“